Interkulturelle und berufliche Bildung

Interkulturelle Bildung ist ein Begriff, der vieles umfasst. Er kann sich auf Bildung in einem interkulturellen Umfeld beziehen, oder aber auf den Erwerb von Fähigkeiten, die einen sensiblen Umgang in einer interkulturellen Gesellschaft mit Menschen unterschiedlicher Hintergründe ermöglichen.

Auch im beruflichen Leben werden diese Kompetenzen gebraucht. Wir haben unter anderem unsere Kolleg*innen befragt, inwiefern berufliche und interkulturelle Bildung in ihrem Leben zusammenwirken, und im Folgenden die Ergebnisse zusammengestellt.

Stimmen zu Interkultureller Bildung und Beruf

Interview 1 - Vielfalt ist kein Abweichen vom Normalzustand

Ann-Kathrin

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun?  

Berufliche Bildung ist in meinen Augen mehr als nur der Erwerb von Hard Skills. Für mich ist interkulturelle Bildung der Erwerb von Soft Skills, die es mir ermöglichen, Vielfalt in meinem beruflichen Umfeld als Bereicherung wahrzunehmen und davon zu lernen, das nicht alle so sind wie ich.  

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle?  

Ich arbeite in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Geflüchtete unterschiedlicher kultureller Herkünfte. Dadurch bin ich immer wieder vor die Herausforderung gestellt, meine eigene Sicht der Dinge verlassen zu müssen und wirklich zuzuhören, um verstehen zu können, was meine Jugendlichen bewegt. Interkulturelle Bildung bedeutet in meinem beruflichen Alltag oft, Vermittlerin zu sein.  

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft?  

Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft versteht, dass Vielfalt kein Abweichen von einem Normalzustand ist, sondern der Normalzustand selbst. Ich hoffe, dass wir lernen, unsere eigene Welt für die Menschen zu öffnen, die nicht in unsere Vorstellung passen, anstatt zu erwarten, dass diese sich unseren Erwartungen anpassen. 

Interview 2 - Sensibilität in der internationalen Zusammenarbeit

Frederik

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun? 

Die Berufswelt und bestimmte Jobs werden in vielen Bereichen immer internationaler. Man arbeitet mit Zulieferern aus Indien, Vietnam oder Südafrika und verkauft Produkte und Dienstleistungen nach China, Brasilien oder die USA. Um dabei erfolgreich zu sein, muss man den kulturellen Hintergrund der Kund*innen und Partner*innen in den anderen Ländern verstehen und sich darauf einlassen. Immer deutsche Effizienz und Pünktlichkeit herauszustellen und von anderen einzufordern wird einem nicht weiterhelfen. 

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle?                                               

In meinem Arbeitskontext habe ich viel mit Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zu tun. Sensibilität gegenüber unterschiedlichen kulturellen Kontexten helfen mir bei der Umsetzung meiner Projekte und der Erreichung der gesteckten Ziele. Eine erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit internationalen Kolleg*innen kann nur gelingen, wenn man sich den anderen kulturellen Kontext des Gegenübers bewusst macht und darauf eingeht. Dazu gehört auch, seine eigenen Positionen und Einstellungen zu hinterfragen.  

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft? 

Die globalisierte Wirtschaft und Arbeitswelt wird von mehr und mehr Menschen als Gefahr und Bedrohung aufgefasst. Ich wünsche mir, dass wir ein grenzüberschreitendes Arbeiten wieder als Chance für weltweiten wirtschaftlichen Wohlstand begreifen, aber auch als Möglichkeit, andere Länder und Kulturen besser kennenzulernen und ein Verständnis füreinander zu entwickeln.

Interview 3 - Interkulturelle Kompetenzen als Schulfach?

Isabelle

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun?  

Ein Ziel der interkulturellen Bildung ist es, die Vielfalt der Kulturen wertschätzen zu lernen und die Unterschiede in Sprache, Traditionen usw. anzuerkennen, ohne sie zu bewerten. Ich finde, dass Ausbilder*innen interkulturell kompetent sein müssen, um Jugendliche in unterschiedlichen Lebenslagen und mit verschiedenen persönlichen Hintergründen individuell zu fördern. Die Jugendlichen sollen sich als Persönlichkeiten wertgeschätzt und respektiert fühlen, mit allem, was zu ihnen gehört. Nur dann können auch die Vorteile der Interkulturalität, wie zum Beispiel Mehrsprachigkeit, genutzt werden. Davon profitieren nicht nur die jungen Menschen selbst, sondern auch die ausbildenden Betriebe.  

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle?  

In meinem Studium beschäftigen wir uns sehr viel mit dem Thema Interkulturelle Bildung, das sogar Teil der Bezeichnung des Studiengangs ist. Es geht vor allem darum, dass menschliche Vielfalt in Schulen oft als störend empfunden wird und gar nicht das Positive daran gesehen wird. Das ist schade, denn das Potenzial, das hinter dieser Vielfalt steckt, wird dadurch nicht entdeckt und kann somit auch nicht genutzt werden. Erst durch mein Studium wurde mir klar, was da verloren geht und wie wichtig es ist, dass in der Gesellschaft ein Bewusstsein für dieses Problem geschaffen wird.  

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft?  

Sowohl in Schulen als auch in Ausbildungs- und Studieneinrichtungen sollte man meiner Meinung nach interkulturelle Trainings anbieten, in denen man lernt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, andere Meinungen zu akzeptieren und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es in Schulen zukünftig ein Schulfach gibt, in dem interkulturelle Kompetenzen thematisiert und geübt werden. Ich denke, dass die Gesellschaft sich nur zu einer offeneren verändern kann, wenn wir bereits in den Schulen anfangen, interkulturelle Vielfalt anzuerkennen und interkulturelle Kompetenzen mehr zu stärken.

Interview 4 - Wir sind noch am Anfang

Jeannette

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun? 

Ich glaube, im Moment faktisch nicht so viel wie es sein müsste. Ich finde aber, dass in einer vielfältigen Gesellschaft und einer sich verändernden Welt interkulturelle Bildung tatsächlich ein ganz wichtiger Bestandteil von beruflicher Bildung sein müsste. Wir sehen das auch in unterschiedlichen Bildungsstufen, zum Beispiel haben wir in der frühkindlichen Bildung das Problem, dass die Erzieher*innen oft nicht darauf schauen, was das Kind denn mitbringt oder was es benötigt und wo Informationen übersetzt, und zwar auch kulturell übersetzt, werden müssen. Das führt dann dazu, dass die Menschen, die ihren Weg gehen, um irgendwann in das Berufsleben einzutreten, eigentlich nicht entsprechend ausgebildet sind. Das betrifft sowohl diejenigen, die interkulturell oder binational leben, als auch die Menschen, die Entscheidungen im Personalbereich treffen und meist nicht das Potenzial von interkulturell lebenden Menschen erkennen. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir sind noch ganz am Anfang des Weges. Wir können sehr viel von anderen Ländern lernen beispielsweise von Kanada. In diesem Ländervergleich sind wir noch am Anfang und das ist eigentlich sehr erschreckend dafür, dass wir schon so lange ein Einwanderungsland sind. 

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle? 

Mit interkultureller Bildung habe ich mich explizit eigentlich erstmals beschäftigt als ich bei einem interkulturellen Verein gearbeitet habe. Dort bin ich das erste Mal mit Bildung im interkulturellen Bereich, im Migrationsbereich konfrontiert worden. Davor war ich schon sehr lange im Bildungsbereich tätig gewesen, auch als Seminarentwicklerin und Studienleitung in einer privaten Universität.Aber in dem interkulturellen Verein war es das erste Mal, dass explizit darauf hingewiesen wurde, dass es unterschiedliche Bedingungen gibt und unterschiedliche Ressourcen. Und dass das auch etwas damit zu tun hat, dass ich bei beruflicher Bildung die Vielfältigkeit und das Potenzial im Blick haben muss, die ich zur Verfügung habe, wie ich die Menschen besser fördern und ich das Berufsleben internationaler und interkultureller gestalten kann. Also zum Beispiel Migration oder Mehrsprachigkeit nicht als Defizit zu erkennen, sondern tatsächlich als Ressource.Hier, bei meiner Arbeit im Verband, ist interkulturelle Bildung natürlich verwoben mit meinen anderen Aufgabenbereichen, da gibt es keine Trennung. Es zeigt sich sehr deutlich, dass es eben dadurch, dass die interkulturelle Bildung mit der beruflichen Bildung noch so wenig zu tun hat, immer wieder zu Problemen und einem Ungleichgewicht auch in binationalen und bikulturellen Familien kommt. Was wir ganz oft erleben, ist,  dass Potenzial, wirklich wichtiges Potenzial, hier in Deutschland verloren geht.

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft? 

Es ist zwar gerade schwierig, aber ich glaube wir leben in einer Zeit, in der wir uns entscheiden müssen zwischen einem Miteinander und einem Gegeneinander. Ich würde mir wünschen, dass wir es schaffen in das Miteinander zu kommen und dass wir Unterschiede nicht als beängstigend empfinden, sondern als Bereicherung. Dass wir es hinbekommen, dass Interkulturalität oder interkulturelle Kompetenz als Grundkompetenz neben Fach, Methoden, sozialer und persönlicher Kompetenz gewertet und auch gefördert wird. In den aktuellen Ausbildungslehrgängen der IHK, spielt das zwar eine Rolle, aber das reicht noch nicht aus. Und das ist nur ein Beispiel; ich würde mir wünschen, dass es in allen Bildungsbereichen so ist, also angefangen von der Kita über die Schule bis hin zu den Unternehmen, dass einfach erkannt wird, wie wichtig interkulturelle Bildung ist und diese als etwas Schönes empfunden wird, als etwas Bereicherndes, Zukunftsfähiges. Es ist eigentlich irrsinnig, dass es in einer Zeit der Globalisierung in der Welt so wenig dazu gibt und die Grundhaltung einfach noch fehlt. Das ist aber immer so, Veränderung macht halt auch Angst. Und man muss einen offenen Geist haben.

Interview 5 - Einfach mal über den Tellerrand gucken

Linda

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun?  

Also für mich natürlich ganz viel. Berufliche Bildung und interkulturelle Bildung gehören meiner Meinung nach eigentlich zusammen. Ich lebe in Frankfurt, einer großen interkulturellen Stadt, in der es viele unterschiedliche Nationalitäten gibt. Hier werden wir ständig mit etwas „Fremdem“ konfrontiert und müssen lernen, damit umzugehen und es in unser Leben zu integrieren. Speziell hier in der iaf ist das eigentlich alltäglich.  

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle?  

Bei allem was ich tue. Ich bin bei meiner Arbeit in der iaf ja unter anderem für das interkulturelle Spielzimmer verantwortlich und es macht mir Freude, dazu beizutragen, dass es in Kinderläden und Kindergärten einfach ein bunteres Bild gibt, dass man von den Stereotypen ablässt, über den Tellerrand guckt und danach schaut, was es noch auf dieser Welt gibt, was man selber dazu beitragen kann, dass sich zum Beispiel Kinder unterschiedlicher Hautfarbe bei uns im Kindergarten wohlfühlen und einen Platz finden. Das ist ein schöner Beitrag, den ich dazu leisten kann mit dem interkulturellen Spielzimmer.    

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft?  

Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen einfach über den Tellerrand gucken und dass es selbstverständlich wird, in einer bunten Gesellschaft zu leben.

Interview 6 - Vielfalt als Selbstverständlichkeit

Maria

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun? 

Hier in Frankfurt leben wir in einer vielfältigen Stadtgesellschaft, aber auch im ganzen Land nimmt die gesellschaftliche Vielfalt zu. Die unterschiedliche vielfältige kulturelle, soziale und familiäre Herkunft spiegelt sich natürlich im Arbeitsleben wieder. In Betrieben und Büros finden wir Arbeitnehmer*innen aus vielen Ländern. Es ist eine große Aufgabe der beruflichen Bildung diese Vielfalt zu thematisieren und Kompetenzen im Umgang mit dieser Vielfalt zu vermitteln, um die Berufsanfänger*innen auf dieses Arbeitsleben in Vielfalt vorzubereiten. 

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle? 

In meinem Berufsleben beim Verband binationaler Familien hat interkulturelle Bildung einen sehr hohen Stellenwert. In unseren Angeboten für angehende Erzieher*innen und Pädagog*innen sind interkulturelle Sensibilisierung und der Erwerb interkultureller Kompetenzen zentrale Aspekte. Wie gehe ich im pädagogischen Alltag um mit unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen um? Wie kann ich Mehrsprachigkeit in meiner Kita fördern? Die Berufsanfänger*innen brauchen hierauf Antworten um im interkulturellen pädagogischen Alltag bestehen zu können. Darüber hinaus sind wir als interkultureller Familienverband natürlich in vielen anderen Bereichen mit interkulturellen Themen beschäftigt. 

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft? 

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass interkulturelle Bildung ein ganz selbstverständlicher Bestandteil der Bildungsarbeit wird und nicht mehr als besonderer Aspekt eingefordert werden muss. Die gesellschaftliche Vielfalt muss sich in allen Bereichen der Bildung widerspiegeln.

Interview 7 - Interkulturelle Bildung müsste in allen Berufen positiver dargestellt werden

Nino

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun?  

Interkulturelle Bildung bezieht sich eher auf menschliche Einstellungen und bei beruflicher Bildung geht es mehr um fachliche Kenntnisse, Fähigkeiten, die man akkumuliert, sich einprägt und dann umsetzt. Zu interkultureller Bildung muss ein Mensch auch erst einmal fähig sein, um sie begreifen und umsetzen zu können, das ist dieser menschliche Aspekt. Es gibt nicht in allen Bereichen eine Verbindung zwischen beruflicher und interkultureller Bildung, aber durch die Globalisierung und die vielfältige Gesellschaft, in der wir leben, treffen Menschen unterschiedlicher Kulturen aufeinander, die verschiedene Hintergründe und Traditionen haben.  

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle?  

Überall, würde ich sagen. Ich habe mit Menschen zu tun, die einen Migrationshintergrund haben, und ich habe selbst hier in Deutschland einen Migrationshintergrund. Als Studentin habe ich auch Kulturen aus der ganzen Welt kennengelernt. Bei mir findet sich das in allen Bereichen meines Lebens, im Studium und bei meiner Arbeit in der Beratung. Da kommen Menschen aus Asien, Afrika, Südamerika und Europa. Es gibt so viele Nationalitäten und die Menschen haben ihre eigenen Hoffnungen und Glaubenssysteme usw.    

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft?  

Ich wünsche mir, dass Interkulturelle Bildung in allen Bereichen positiver dargestellt wird. Nicht nur in sozialen Berufen, sondern vielleicht auch in Finanz-, Wirtschafts- und Industrieberufen, wo Menschen nicht so sehr miteinander interagieren und das vielleicht auch gar nicht wollen. Für diese Menschen müsste von oben besser aufgezeigt werden, dass Menschen aus anderen Kulturen interessant sind, und man von ihnen lernen kann. Dann könnte man das auch für sich im Leben umsetzen.

Interview 8 - Durch interkulturellen Austausch kann man viel voneinander lernen

Philipp

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun? 

Ich denke, dass Interkulturelle Bildung immer wichtiger wird in der beruflichen Bildung, weil immer häufiger Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenarbeiten, und lernen müssen, sensibel miteinander umzugehen. 

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle? 

In meinem Studium in Geografie gibt es viele Möglichkeiten des Austauschs mit Menschen anderer Kulturen – man macht zum Beispiel Ausflüge für mehrere Tage in andere Länder, man hat gemeinsamen Unterricht mit Student*innen aus dem Ausland oder man arbeitet zusammen an einem bestimmten Thema. Das ist sehr schön, weil man viel voneinander lernen kann.  

3.  Was wünschst du dir dazu für die Zukunft? 

Ich denke, interkulturelle Bildung sollte stärker gefördert werden, damit mehr Menschen die Möglichkeit haben, in anderen Ländern zu arbeiten. Das wäre sowohl für diejenigen, die im Ausland arbeiten möchten, als auch für die Unternehmen, die neue Mitarbeiter*innen suchen, von Vorteil.

Interview 9 - Interkulturelle Bildung sollte Bestandteil einer jeden beruflichen Ausbildung sein

Rebeca

1.Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun?  

Durch die Globalisierung ist es heutzutage beinahe unmöglich, einen Beruf auszuüben, in dem keine interkulturellen Begegnungen stattfinden. Dies beinhaltet nicht nur den Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern, sondern auch Begegnungen zwischen Personen, die zwar aus ein und demselben Land, aber aus unterschiedlichen Milieus stammen. Interkulturelle Bildung sollte daher Bestandteil einer jeden beruflichen (Aus-)Bildung sein.  

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle?  

Interkulturelle Bildung spielt bei meinen haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeiten eine große Rolle, da ich tagtäglich mit Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu tun habe, und sowohl bei der Zusammenarbeit als auch bei der Betreuung dieser Personen eine gewisse Sensibilität gefragt ist. Insbesondere vor dem Hintergrund der sogenannten „Flüchtlingskrise“ ist es nicht gerade leichter geworden, ein „interkulturelles Verständnis“ zu schaffen und die unterschiedlichen Kulturen zusammenzubringen. Zusätzlich zu meinem Studium habe ich an mehreren Seminaren und Workshops zu Interkultureller Kompetenz, Interkulturalität sowie Diversität teilgenommen. Das dort erlangte Wissen kann ich wiederum bei meiner Arbeit anwenden.    

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft?  

Dass mehr Angebote für Personen unterschiedlichster Berufsgruppen geschaffen werden, um interkulturelle Kompetenzen zu erlangen oder zu erweitern. Diese sollten vom Arbeitgeber regelmäßig kostenlos und im Rahmen der Arbeitszeiten angeboten werden, damit jede Person die Möglichkeit erhält, an ihnen teilzunehmen. Wichtig wäre mir auch, dass die kulturelle Diversität unserer Gesellschaft bereits in der Schule thematisiert würde.

Interview 10 - Das Interesse an interkultureller Bildung ist größer geworden

Swenja

1. Was haben Interkulturelle Bildung und berufliche Bildung miteinander zu tun? 

Wir leben in einer globalisierten Welt und berufliche Bildung ist ganz eng verbunden mit interkultureller Bildung. Ich habe im Prinzip in jedem Lebenskontext heutzutage mit den Menschen unterschiedlichster Herkunft zu tun. Das ist aber nicht nur heute so, sondern das war schon immer so. Die Frage ist ja da schon, was der Begriff interkulturelle Bildung meint. Ich verstehe ihn als Kontakt, von mir als Person aus gesehen, zu einem anderen Menschen, aber berufliche und interkulturelle Bildung hängen natürlich auch von der Organisation und Struktur von Bildung und Arbeitsmarkt ab. Das ist eng miteinander verknüpft. 

2. Wo spielt interkulturelle Bildung in deinem Berufsleben/in deiner Ausbildung eine Rolle? 

Natürlich habe ich als juristische Beraterin in der iaf beruflich ständig Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern, die möglicherweise unterschiedlich kulturell geprägt sind. In meiner Ausbildung war das nur zum Teil ein Thema, beispielsweise im internationalen Privatrecht. Interkulturelle Bildung hatte noch keinen so hohen Stellenwert, als ich meine Ausbildung, mein juristisches Studium, 1989 angefangen habe. Das war auch noch nicht populär, inzwischen hat sich das ja stark gewandelt und findet auch in der Aus- und Fortbildungslandschaft einen größeren Widerhall. Die Studiengänge sind internationaler geworden, nicht nur durch Studentenaustausche, sondern auch durch Summerschools und Lawschools.  

3. Was wünschst du dir dazu für die Zukunft? 

Ich würde mir wünschen, dass gerade im Bereich der juristischen Ausbildung mehr Soft Skills vermittelt werden. Das gibt es bisher nur zum Teil, nicht an allen Universitäten, und diese Soft Skills sollten nicht nur Kommunikation, Verhandlung und Mediation umfassen, sondern auch interkulturelle Handlungskompetenzen und Möglichkeiten aufzeigen und stärker sensibilisieren für den Umgang mit Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung.